When you are going to San Francisco…


Mit mehr als 4.000 Teilnehmern und fast genau so vielen Vorträgen ist das INFORMS Annual Meeting eine der größten Ingenieurkonferenzen der Welt. Da die Veranstaltung im schönen San Francisco – wenn auch im November – stattfand, war es ein gefundener Anlass, sich in die USA auf zu machen und sich dort über den Stand der Elektromobilität zu informieren.

When you are going to San Francisco... (Foto: Thomas Meiren)

When you are going to San Francisco… (Foto: Thomas Meiren)

Die INFORMS ist zwar einerseits eine nahezu unüberschaubar große Konferenz, andererseits deckt sie ein sehr großes Themenspektrum ab, so dass für jede Fachrichtung etwas dabei ist. So zählte ich insgesamt fast 50 Vorträge, die sich mit Elektromobilität beschäftigten und über mehrere Sessions verteilt waren. Im Vergleich zur Gesamtkonferenz eher ein kleiner Teil, aber immerhin…

Mit einer entsprechend großen Erwartungshaltung ging ich schließlich in die erste Session. Doch anstelle eines Überblicks über aktuelle amerikanische Aktivitäten, waren fast ausschließliche asiatische Teilnehmer vertreten. Wie man an den Namensschildern und in den Gesprächen erkennen konnte, kamen diese überwiegend aus China. Nicht viel anders war die Situation später auch in den übrigen Sessions zu Elektromobilität. Auch wenn man die INFORMS an dieser Stelle nicht überbewerten darf, so scheint es insbesondere aus China Interesse an Elektromobilität und Forschung zu diesem Thema zu geben.

Auch aus inhaltlicher Sicht waren die Sessions interessant. Sicher ist die INFORMS keine rein technische Konferenz, aber die starke Thematisierung von Dienstleistungen zu Elektromobilität war doch überraschend. Genau genommen gab es keine rein technischen Präsentationen, wie man dies von vielen vergleichbaren Konferenzen in Deutschland kennt, sondern es stand vor allem die praktische Anwendbarkeit und die Nutzung im Vordergrund. Insbesondere setzten sich viele Referenten mit dienstleistungsrelevanten, technischen Fragen auseinander und Elektromobilität wurde fast ausschließlich aus der Perspektive der Nutzer diskutiert.

Teilnehmer der INFORMS 2014 in San Francisco, Kalifornien (Quelle: INFORMS 2014)

Teilnehmer der INFORMS 2014 in San Francisco, Kalifornien (Quelle: INFORMS 2014)

Was mich außerdem interessierte, war die englische Übersetzung des Begriffs „Elektromobilität“. Hier hatte ich zuvor unterschiedliche Übersetzungsvorschläge gehört und auch die Recherche im Internet – etwa auf einschlägigen Wörterbuch-Seiten – half hier nicht wirklich weiter. Schon in der ersten Session fiel mir auf, dass die aus deutscher Sicht so scheinbar nahe liegende Übersetzung mit „electromobility“ nicht vorkam. Da allerdings keine so genannten „native speaker“ anwesend waren, gab es erst in der nächsten Session die Gelegenheit, einen Amerikaner – immerhin am MIT beschäftigt – auf diese so schwerwiegende Frage anzusprechen. Nachdem er zunächst mein „Problem“ nicht verstand, gab es anschließend ein recht interessantes Fachgespräch. Als Quintessenz lässt sich zusammenfassen, dass im anglo-amerikanischen Raum grundsätzlich von „electric vehicles“ bzw. noch häufiger abgekürzt von „EV’s“ gesprochen wird – dann jedoch auch nur reine Fahrzeuge (und hier vor allem PKW) gemeint sind. Ist jedoch von Mobilität die Rede, wird einfach nur „mobility“ verwendet (ohne „electric“ oder sonst irgendetwas), selbst wenn es sich explizit auf Elektromobilität bezieht. Am Ende des Gesprächs schien ich wohl etwas enttäuscht geschaut zu haben, so dass mich mein amerikanischer Gesprächspartner tröstete, dass man auch den Begriff „electromobility“ verstehen würde, er sei aber nun einmal sprachlich nicht korrekt …

Autor:
Thomas Meiren