Fraunhofer IAO stellt erstmals Innovationsmodell zur Entwicklung von Dienstleistungen für die Elektromobilität vor


Im Rahmen der RESER-Konferenz in Kopenhagen, Dänemark, präsentierte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO am 11. September 2015 der Dienstleistungsforschungs-Community erstmals ein Service-Engineering-Referenzmodell zur Entwicklung neuer Dienstleistungen für die Elektromobilität. Mit dem Ansatz ist die Grundlage für ein fundiertes, praxisorientiertes Innovationsmodell gelegt, das Unternehmen künftig dabei unterstützen soll, systematisch neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle für das Anwendungsfeld „Elektromobilität“ zu entwickeln und zu vermarkten.

Sabrina Cocca (Fraunhofer IAO)

Sabrina Lamberth-Cocca vom Fraunhofer IAO präsentitert das Innovationsmodell bei der RESER-Konferenz 2015 in Kopenhagen, Dänemark

Das Service-Engineering-Referenzmodell besteht aus sechs Levels: (1) Nutzeranalyse und Nutzerintegration, (2) Konfigurationsmechanismus, (3) Vorgehensmodell, (4) Organisation, (5) Methoden und Tools sowie (6) Fallbeispiele. Das Modell basiert auf dem systematischen Ansatz des Service Engineering und verbindet diesen mit neuen Elementen wie Konfigurierbarkeit, Agilität, Service Prototyping und Open Innovation für Dienstleistungen.

 

Welche Eigenschaften und Vorteile hat das Modell?

  • Unternehmensvertreter werden mithilfe des Ansatzes dabei unterstützt, ihre Kunden und die Elektromobilitätsnutzer zu unterscheiden und systematisch in den Entwicklungsprozess einzubinden. Dadurch kann die Akzeptanz der Elektromobilitätsangebote auf dem Markt verbessert werden.
  • Durch einen intelligenten Konfigurationsmechanismus wird es möglich, das Vorgehensmodell, die Organisation der Entwicklung sowie die eingesetzten Methoden und Tools flexibel und einfach auf den jeweiligen Entwicklungskontext anzupassen.
  • Das eigentliche Vorgehensmodell für die Entwicklung der Dienstleistung ermöglicht ein integriertes Design von Geschäftsmodell und Dienstleistungskonzept. Um eine kurze Time-to-Market zu erzielen, verschiedene Akteure nach Bedarf einbinden zu können und dabei Kosten und Risiken des Entwicklungsprojekts gering zu halten, folgt das Vorgehensmodell einem agilen Ansatz mit Fokus auf Prototyping und Testen. Ein Entwicklungsprojekt für ein neues Elektromobilitätsangebot wird so in eine konzeptionelle und eine detaillierte Designphase unterteilt. Dabei sind bis zu drei Testphasen sowie weitere optionale Iterationen vorgesehen; je nach Komplexität der Dienstleistung. Neben dem eigentlichen Vorgehensmodell ist eine Kopplung an die Ideen- und Strategieentwicklung beschrieben, um insbesondere Unternehmen zu unterstützen, die neu auf dem Elektromobilitätmarkt sind und noch Orientierung suchen.
  • Das Innovationsmodell umfasst darüber hinaus Rollenmodelle und Hilfestellungen für ein agiles Management von Entwicklungsprojekten für Dienstleistungen. Insbesondere im Kontext der Elektromobilität wird damit speziell dem kooperativen Charakter und der Anforderung nach einer durchgängigen Unterstützung durch informationstechnische Lösungen Rechnung getragen, da kurze, aufeinander abgestimmte (auch parallele) Entwicklungszyklen und ein enger Austausch mit zahlreichen Akteuren ermöglicht werden.
  • Um die Entwicklung von Elektromobilitätsdienstleistungen in der Unternehmenspraxis zu ermöglichen, wird über einen sorgfältig ausgewählten, kompakten Katalog an fundierten Methoden und Tools eine Basis geschaffen. Diese Auswahl unterstützt sowohl die eigentliche Dienstleistungs- und Geschäftsmodellentwicklung als auch das agile Projektmanagement.
  • In ausgewählten Beispielen aus der Unternehmenspraxis wird das gesamte Vorgehen anschließend durchlaufen und anschaulich erklärt. Hierzu sucht Fraunhofer IAO noch Hersteller, Systemintegratoren und Dienstleister aus dem Bereich Elektromobilität. Unternehmen, die sich für einen Austausch zu Dienstleistungs- und Geschäftsmodellinnovation im Bereich Elektromobilität interessieren und die Anwendung des Innovationsmodells als erstes im Detail kennen lernen möchten, können sich gerne an die Projektleitung wenden.

 

Sabrina Cocca (Fraunhofer IAO)

Die Motivation hinter dem Projekt ist die Erhöhung der Akzeptanz gegenüber Elektromobilität mithilfe nutzerorientierter Dienstleistungen

Wie wurde das Modell entwickelt?

Das Modell basiert auf fünf grundlegenden Anforderungen, welche aus einer umfänglichen Analyse abgeleitet worden sind. Die Anforderungsanalyse basiert auf einer grundlegenden Literaturrecherche zu Elektromobilität und Dienstleistungen (darunter Modelle zur Dienstleistungsentwicklung), auf einer Analyse von 250 deutschen Förderprojekten zu Elektromobilität, der DELFIN-Expertenstudie (insbesondere Anforderungen aus der und Empfehlungen für die Praxis), einer Auswertung von 85 Methoden der Nutzeranalyse und -integration sowie auf ersten Erkenntnissen aus den bereits durchgeführten internationalen Fallstudien.

 

Wie geht es weiter?

Das Modell wurde im Anschluss des Vortrags aus wissenschaftlicher Perspektive der Konferenzteilnehmer diskutiert; das Feedback wird in der geplanten kommenden Weiterentwicklung berücksichtigt. Außerdem fließen in die Weiterentwicklung Ergebnisse aus einer Breitenerhebung ein, die für Anfang 2016 geplant ist. Im Rahmen der Befragung werden Faktoren der Nutzerorientierung, der Konfigurierbarkeit, der agilen Ausgestaltung des Dienstleistungsentwicklungsprozesses, eingesetzter Methoden und Tools sowie der Organisation der Dienstleistungsentwicklung ergänzt und konsolidiert. Nach der anschließenden Erweiterung des Modells erfolgt eine Erprobung und Validierung in der Unternehmenspraxis. Darauf aufbauend formuliert das Fraunhofer IAO Empfehlungen für Unternehmensvertreter für die Entwicklung neuer Dienstleistungen und Geschäftsmodelle für die Elektromobilität und erstellt einen Leitfaden für den praktischen Einsatz des konfigurierbaren, agilen Innovationsmodells.

 

Die Arbeiten, welche der Präsentation auf der Konferenz zugrunde liegen, werden in einem Paper der IAO-Wissenschaftlerinnen Sabrina Cocca und Michaela Friedrich veröffentlicht.

Für Rückfragen zum Innovationsmodell steht Ihnen die Projektleitung seitens Fraunhofer IAO sehr gerne zur Verfügung. Für regelmäßige Updates zum Projekt DELFIN können Sie den RSS-Feed oder unseren Twitter-Kanal nutzen.