Die Zukunft privater Elektromobilität in Deutschland


Die privBeEmobil Logoate Elektromobilität in Deutschland ist nicht erst seit der gegenwärtigen starken Förderung durch politische Akteure angekommen. Vielmehr existierten die ersten Elektroautos bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, wo sie in Konkurrenz zum Benzin- und Dampfmotor standen. Betrachtet man die Vorzüge der Elektromobilität wie Lärm- und Emissionslosigkeit, ist es verwunderlich, dass in einer „Auto-Nation“ wie Deutschland das Elektroauto bisher nur ein Nischenprodukt blieb, während dessen Verbreitung im internationalen Vergleich mit Elektromobilitätsvorreitern wie beispielsweise Norwegen hinterherhinkt. Daher stellt sich die Frage, ob der Rückgriff auf rein technische Erklärungen ausreichend ist, um die relativ geringe Verbreitung von Elektromobilität zu erklären. Aus techniksoziologischer Perspektive ist dieser Blickwinkel zu kurz gedacht: vielmehr sind an der Verbreitung einer Innovation zusätzlich auch soziale Akteursgruppen beteiligt, welche diese fördern oder behindern können. Die Beständigkeit des Verbrennerantriebs lässt sich durch die Etablierung des traditionellen Systems erklären, welches durch eine Reihe sozialer Elemente, wie beispielsweise Verkehrsgesetze, Reiseführer, Tankstellen Autoclubs und die Automobilindustrie gefestigt wird.

Mitarbeitende im Projekt BeEmobil, v. l. n. r.: Cornelius Hardt, Katrin Wagner, Robert Frommer

Mitarbeitende im Projekt BeEmobil, v. l. n. r.: Cornelius Hardt, Katrin Wagner, Robert Frommer

Das Projekt „Betreiberkonzepte für erfahrungsspezifische Elektromobilität“ setzt an den kundenseitigen Hemmnissen an, welche gegenüber privater Elektromobilität bestehen. Das Verbundprojekt fokussiert alltagstaugliche Dienstleistungen und Betreiberkonzepte, um Vorbehalte abzubauen. Im Teilprojekt an der Universität der Bundeswehr München wird der Schwerpunkt unter anderem auf staatliche und kommunale Anreize für potenzielle Nutzer gelegt. Mit dem Elektromobilitätsgesetz, welches im Juni 2015 in Kraft trat, wird politischen Akteuren in Kommunen die Möglichkeit eröffnet, Anreize für private Elektromobilität selbst zu setzen. Die Berücksichtigung politischer Akteure und ihrer Gestaltungsmacht soll dem Projekt „BeEmobil“ einen Mehrwert zusätzlich zu den erprobten Dienstleistungen ermöglichen, welche in den Teilprojekten der Universität Passau, der Universität der Bundeswehr sowie den Bayrischen Motoren Werken untersucht werden.

Zu diesem Sachverhalt werden Interviews mit Nutzern und Experten geführt, um die Reichweite politischer Akteurshandlungen abschätzen zu können. Nach ersten Erkenntnissen aus der Datenerhebung gehen die Meinungen, ob monetäre Anreize oder nicht-monetäre Anreize effektvoller sind, stark auseinander. Monetäre Anreize erstrecken sich beispielsweise auf die Verringerung der KFZ-Steuer für E-Autos, staatliche Subventionen zum Kaufpreis, Zuschuss zu Stromkosten, „Abwrackprämie“ für konventionelle Fahrzeuge oder aber im Sinne einer Malus-Regulierung durch die Erhöhung der Preise für konventionelle Kraftstoffe. Durch das Gesetz unterstützte nicht-monetäre Anreize umfassen die Öffnung von Busspuren, Sonderparkplätze für E-Autos sowie die Aufhebung von Zufahrtsbeschränkungen. Die Überlegungen hinsichtlich einer ausgewogenen Mischung dieser Maßnahmen stecken in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Der europäische Nachbar Norwegen dagegen punktet schon länger vorwiegend mit der Umsetzung beider Möglichkeiten: Es wird Mehrwertsteuer auf Elektroautos erhoben, es gibt keine Maut auf E-Autos, dazu vergünstigter oder teilweise sogar kostenloser Strom für E-Autos, gesonderte Fahrspuren für E-Autos sowie Extra-Parkplätze. Der Marktanteil von Elektroautos beträgt damit um die 20%, was 50.000 E-Autos auf 5,2 Millionen Einwohner entspricht.

Gemäß der technischen Weiterentwicklung, aber auch abhängig von staatlichen und kommunalen Anreizen, sind für die private Elektromobilität in Deutschland verschiedene Zukunftsszenarien denkbar. So könnte Elektromobilität wieder ein einer Nische verschwinden, wie es bereits nach dem Abebben früherer Elektro-Hypes Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts geschehen ist. Elektromobilität könnte in diesem Szenario ein Nischenprodukt für abgrenzbare Zwecke wie Dienstleister oder Flotten darstellen. Möglich wäre, folgt man der Argumentation von überzeugten Elektroautonutzern, dass dies der Antrieb der Zukunft wird, welcher konkurrenzlos verbreitet ist. Denkbar wäre jedoch auch ein Mix aus verschiedenen Antrieben, welche Mobilität in der Zukunft ermöglichen: Eine Mischung aus Erdgas, Wasserstoff und Elektroantrieb, ergänzt mit Benzin und Diesel in „Oldtimern“, könnte eine mögliche Zukunftsvision sein.

Neue Erkenntnisse sollen aus weiteren Interviews mit Nutzern und Experten resultieren. Darüber hinaus werden gegenwärtige Maßnahmenpakete in Metropolregionen sowie ihre Übertragbarkeit auf anderen Regionen geprüft. Auf der staatlichen Ebene werden Anreize bisheriger Elektromobilitäts-Vorreiter evaluiert und ebenso auf die Möglichkeit ihrer Übertragbarkeit auf Deutschland erforscht.

 

Kontakt

Katrin Wagner, katrin.wagner@unibw.de, Universität der Bundeswehr