Marktstrukturen und Zukunftsszenarien – Teilarbeitspaket des FIR im Projekt DELFIN


Fallstudie Amsterdam (FIR)

Dominik Kolz (links) und Marcel Schwarz vom FIR beim Test einer Ladedienstleistung in Amsterdam

Innerhalb des Teilarbeitspakets Marktstrukturen und Zukunftsszenarien erforscht der FIR e. V. an der RWTH Aachen im Projekt „Dienstleistungen für Elektromobilität – Förderung von Innovation und Nutzerorientierung (DELFIN)“ den aktuellen Entwicklungsstand des Elektromobilitätsmarkts in Deutschland und dessen künftige Entwicklung. Zur Beschreibung des Status-quo wurde unter anderem eine Fallstudie durchgeführt. Diese zielte darauf ab, den deutschen Elektromobilitätsmarkt mit dem internationalen Umfeld zu vergleichen. Als Vergleichsmarkt wurde der niederländische ausgewählt, da durch ein gleichartiges Wertesystem (westliche, moderne Werte und Moralvorstellungen) und eine vergleichbare Bevölkerungsstruktur ähnliche Grundvoraussetzungen gegeben sind. Exemplarisch wurde je eine Stadt auf beiden Seiten der Grenze zur Betrachtung herangezogen. In Deutschland wurde die Stadt Aachen ausgewählt, da sie als Technologiestandort gilt und so optimale Voraussetzungen für die Etablierung innovativer Ideen bietet. Auf niederländischer Seite fiel die Wahl auf Amsterdam. Die Hafenstadt verfolgt das ehrgeizige Ziel, bis 2040 den kompletten Verkehr elektrisch zu gestalten. Dementsprechend nimmt die Elektromobilität dort schon jetzt einen hohen Stellenwert ein, was sie für die Fallstudie sehr interessant macht.

 

Durchführung der Fallstudie

Kernziel der Fallstudie ist es, den deutschen Elektromobilitätsmarkt mit dem der Niederlande zu vergleichen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die Marktsituation in Bezug auf Elektromobilität beider Länder aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Dies gewährleistet, dass fehlerhafte Schlüsse durch eine einseitige Untersuchung vermieden und valide Ergebnisse erzielt werden. Im Folgenden werden die verwendeten Analysewerkzeuge innerhalb der Fallstudie aufgezeigt, um ein Verständnis davon zu vermitteln, wie die Ergebnisse generiert wurden.

  • Erfahrungen vor Ort:
    Um zu beurteilen, wie stark Elektromobilität bereits in den Alltag integriert ist, muss diese am lebenden Objekt getestet werden. Aus diesem Grund bestand ein zentraler Teil der Fallstudie darin, die beiden Städte Aachen und Amsterdam selbst aus der Sicht eines Elektromobilitätsnutzers zu erleben. Zu diesem Zweck wurde je eine Testfahrt mit einem Elektroauto durchgeführt, um verschiedene Elektromobilitätsaspekte, beispielsweise die Ladeinfrastruktur und die Batteriereichweite, zu testen und zu beurteilen.
  • Unternehmensinterviews:
    Um die Sichtweise der Industrie abzubilden, wurden in beiden Ländern je drei etwa 90-minütige Interviews mit Vertretern verschiedener Elektromobilitätsunternehmen geführt. Ein wesentliches Ziel dieser Gespräche war es, die Einschätzungen der Interviewpartner hinsichtlich der aktuellen und zukünftigen Situation der Elektromobilitätsmärkte in Deutschland und in den Niederlanden einzuholen. Zusätzlich wurde erfragt, welche Faktoren die Entwicklung des Marktes signifikant beeinflussen. Im Fokus der Gespräche stand das Thema Dienstleistungen. Es wurde die Meinung der Gesprächspartner eingeholt, welche Relevanz Services für den Erfolg der Elektrifizierung des Mobilitätsmarktes haben.
  • Befragung der Bevölkerung:
    Mithilfe eines Fragebogens wurden Bekanntheitsgrad, Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber der Elektromobilität und den damit verbundenen Dienstleistungen analysiert. Bei dieser Umfrage wurden insgesamt 78 Gespräche mit Passanten in beiden Städten geführt. Besonders war an dieser Stelle, dass die Fragebögen in Form von Interviews beantwortet wurden. So wurde sichergestellt, dass die Befragten die Inhalte korrekt verstehen und keine Missverständnisse, durch Fehlinterpretation der Fragen, das Ergebnis verfälschen. Die Auswahl der Umfrageteilnehmer fand zufällig und ohne Fokus auf eine konkrete Zielgruppe statt. Dadurch konnte gewährleistet werden, dass ein unverfälschter Überblick über die aktuelle Sicht der Bevölkerung zum Thema Elektromobilität eingeholt wird, ohne dabei eine Bevölkerungsgruppe überproportional zu berücksichtigen.

 

Ergebnisse der Fallstudie

Die Fallstudie liefert viele interessante Erkenntnisse zur aktuellen Elektromobilitätsmarktsituation in Deutschland und den Niederlanden. Die Ergebnisse werden aktuell aufbereitet und erscheinen in Kürze in Form einer Veröffentlichung. Um bereits jetzt einen Ausblick auf die gewonnen Erkenntnisse zu geben, sind im Folgenden einige interessante Zahlen und Fakten zusammenfassend dargestellt.

  • Im Vergleich beider Städte fällt auf, dass die Kennzeichnung der Ladestationen in den Niederlanden besser geregelt ist, als in Deutschland. Während hierzulande lediglich ein Schild in deutscher Schrift darauf hinweist, dass es sich um einen Parkplatz für Elektrofahrzeuge handelt (vgl. Abbildung 1), ist der Asphalt in den Niederlanden mit einem sprachunabhängigen Elektromobilitätssymbol (vgl. Abbildung 2) ausgestattet. In Amsterdam konnte kein Verbrennungskraftfahrzeug gesichtet werden, welches eine Ladesäule versperrte. In Aachen hingegen waren gleich mehrere Ladeplätze durch unberechtigt abgestellte PKWs zugeparkt. Ob dies ausschließlich mit der Kennzeichnung der Fläche begründet werden kann, ist jedoch unklar.
    Abbildung 2: Die Kennzeichnung von Parkplätzen, die zum Laden reserviert sind, ist in den Niederlanden eindeutiger (Fallstudie Amsterdam)

    Abbildung 2: Die Kennzeichnung von Parkplätzen, die zum Laden reserviert sind, ist in den Niederlanden eindeutiger (Fallstudie Amsterdam)

    Abbildung 1: Regelung für die Kennzeichnung von Ladepunkten und Parkplätzen in Deutschland (Fallstudie Aachen)

    Abbildung 1: Regelung für die Kennzeichnung von Ladepunkten und Parkplätzen in Deutschland (Fallstudie Aachen)

  • In der Umfrage wurde deutlich, dass die niederländische Bevölkerung eine signifikant höhere Bereitschaft zeigt, mehr Geld zu investieren, wenn sie sich dafür umweltschonend fortbewegen kann. 42 Prozent der befragten Passanten sind laut der Umfrage bereit, 5.000 Euro mehr für ein Elektroauto zu zahlen, als für einen PKW mit Verbrennungsmotor. In der deutschen Vergleichsgruppe zeigten sich lediglich fünf Prozent der Befragten dafür offen.
  • Ebenfalls im Rahmen der Umfrage wurde deutlich, dass die Motivation für den Kauf eines Elektroautos stark vom Geschlecht abhängig ist. Während 50 Prozent der Männer das Interesse an der neuartigen Technologie als den zentralen Kaufgrund in den Vordergrund stellen, sehen dies nur zwei Prozent der Frauen als entscheidenden Faktor. 50 Prozent der weiblichen Bevölkerung führen hingegen den Umweltschutz als schlagendes Argument für ein E-Vehikel an.
  • Die befragten Unternehmensvertreter sind sich, unabhängig vom Standort des Unternehmens, darin einig, dass der niederländische Elektromobilitätsmarkt fortschrittlicher ist, als der deutsche. Als Erklärung dafür wurden zum einen die schwächere Förderung (Subvention beim Kauf, immaterielle Anreize) von Elektromobilität in Deutschland und zum anderen der stärkere Innovationswille der Niederländer genannt.

 

Die Durchführung und erste Auswertung der Fallstudie ist abgeschlossen. Derzeit werden die Ergebnisse in der Form aufbereitet, dass wir Ihnen in den nächsten Wochen einen ausführlichen Bericht zur Fallstudie zur Verfügung stellen können. Diesen finden Sie dann sowohl auf dieser Homepage zum kostenlosen Download, als auch als Printmedium, welches das FIR Ihnen auf Anfrage gerne zukommen lässt. Sollten Sie Interesse oder Fragen zu den hier nur kurz skizzierten Inhalten des Teilarbeitspakets Marktstrukturen und Zukunftsszenarien haben, freuen wir uns, wenn Sie mit uns in Kontakt treten. Wenden Sie sich dafür an Marcel Schwartz (Marcel.Schwartz@fir.rwth-aachen.de) oder Dominik Kolz (Dominik.Kolz@fir.rwth-aachen.de).