Wie die Elektromobilität im Alltag überzeugt: EmoTal präsentiert Ergebnisse der Elektro-Kfz-Fahrerumfrage


Verbundprojekt EmoTalZiel des Verbundprojekts „EmoTal – Nutzerzentrierte Elektromobilität Wuppertal“ ist die Entwicklung neuer Dienstleistungen im Bereich Elektromobilität. Der innovative Ansatz des Projekts ist der spezielle Fokus auf die Nutzerperspektive, um Mehrwerte für Nutzer zu schaffen, Bedarfe zu stillen und damit die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität zu fördern. Die entscheidenden Grundlagen für die Umsetzung des Vorhabens stellen intensive Nutzeranalysen dar, deren Ergebnisse direkt in das vom Projektleiter Dr. Sigmund Schimanski (Forschungsgruppe Human Factors Engineering, Bergische Universität Wuppertal) entwickelte Nutzungsmodell fließen. Das Modell analysiert das Produktleben aus der Sicht der Nutzerinteraktion und liefert somit die essentielle Basis für die Konzeption und Umsetzung neuer Dienstleistungen. Zudem ist sowohl das Modell als auch dessen resultierender Mehrwert für die Produktnutzungskette und Wertschöpfungskette auf weitere Entwicklungen übertragbar und offeriert somit große Potentiale für Industrie und Wirtschaft.

Nutzermodell EmoTal

Eigen entwickeltes Nutzungsmodell für die frühen Entwicklungsphasen

 

EmoTal engagiert sich als Fokusgruppensprecher der Forschungsvorhaben im Bereich „Mehrwerte durch nutzerorientierte Dienstleistungen und integrierte Mobilitätskonzepte“ im Metaprojekt DELFIN für den Forschungszusammenschluss zum Thema „Nutzerakzeptanz“.

Im Rahmen der Nutzeranalyse führte EmoTal seit Ende 2014 eine umfassende Befragung von Fahrern und Haltern von Elektrofahrzeugen durch. Um repräsentative Aufschlüsse über die Nutzung sowie die Bedürfnisse der Elektromobilisten zu gewinnen, war es entscheidend „echte“ Nutzer als Teilnehmer zu generieren, deren Meinung und Erfahrung auf tatsächlichen Alltagsbedingungen und Kenntnissen gründet. Im Vorfeld wurden daher intensive Hintergrundrecherchen durchgeführt sowie vielfältige Maßnahmen zur Kontaktaufnahme mit lokalen und überregionalen Elektromobilisten umgesetzt. Der nutzerzentrierte Ansatz stand auch bei der Durchführung der Befragung im Fokus. So konnten die Teilnehmer die Umfrage wahlweise telefonisch, persönlich oder online durchführen, um möglichst jedem Nutzer seine bevorzugte Teilnahmeart zur Verfügung zu stellen. In einem Zeitraum von drei Monaten konnten so insgesamt 43 Nutzer telefonisch bzw. persönlich befragt werden – 170 weitere Fahrer nutzten die Möglichkeit der Online-Teilnahme. Die angestrebte Anzahl von 100 Teilnehmern konnte durch den multimodalen Umfragezugang verdoppelt werden, was die Schlussfolgerung erlaubt, dass die konsequente Einbindung des nutzerzentrierten Ansatzes den Erfolg von Vorhaben effektiv fördern kann.

Anhand der Umfrage sollte ein möglichst ausführliches Bild der Nutzungskonditionen und Nutzererfahrungen geschaffen sowie weiterführende nutzungsstiftende Potentiale für mögliche Dienstleistungsinnovationen identifiziert werden. Bei der Zusammenstellung des Fragebogens war es somit entscheidend, den Teilnehmern ein umfassendes Antwortspektrum zur Verfügung zu stellen, um vielseitige und unterschiedliche Eindrücke zu erhalten. Die 69 Multiple-Choice-Fragen waren so gestaltet, dass möglichst jeder Nutzer eine passende Antwortvariante finden sollte. Oft konnten auch eigene Antworten ergänzt werden. Zudem enthielt die Umfrage 16 offene Fragen mit Textfeldern zur frei formulierten Beantwortung. Diese relativ hohe Anzahl offener Fragen wurde gewählt, um viele Meinungen, Erfahrungen und Details zu erfassen sowie individuelle Antworten zu ermöglichen. Bei den Teilnehmern stießen die offenen Fragen auf hohen Zuspruch – so wurden sie meist für ausführliche Antworten genutzt und im Schlusskommentar mehrfach lobend hervorgehoben. Die Auswertung insbesondere der offenen Fragen war mit einem vergleichsweise hohen Aufwand verbunden, ermöglichte jedoch wertvolle Aufschlüsse und Anregungen für weitere Nutzungspotentiale sowie tiefergehende Folgebefragungen.
Im Folgenden sollen einige interessante Punkte in Bezug auf die ermittelten Charakteristiken der Teilnehmer kurz vorgestellt werden.

Im Zuge der Auswertung wurden die Ergebnisse u. a. auf Gruppenunterschiede (bspw. Alter, Geschlecht etc.) untersucht. Die geschlechtliche Verteilung zeigte mit 89% eine stark männliche Ausprägung. Interessant ist, dass bei der Betrachtung von weiblichen und männlichen Antworten nur bei fünf der 85 Fragen signifikante Auffälligkeiten verzeichnet werden konnten. Zwei der Fragen bezogen sich auf rein demographische Angaben. So zeigte die Gesamtauswertung in Bezug auf die Wohnumgebung zwar eine statistisch ausgeglichene Verteilung (38% „großstädtisch“, 33% „ländlich “ und 26% „kleinstädtisch“) – die Wohnpräferenz der Frauen war mit 62,5% jedoch großstädtisch ausgeprägt. Die Männer nannten zudem mehrheitlich einen „Hochschulabschluss“, die Frauen hingegen eine „Berufsausbildung“ als höchsten Berufsabschluss.
Die übrigen drei Fragen mit geschlechtlichen Unterschiedsmerkmalen bezogen sich auf das persönliche Kaufverhalten. Bei der Aussage „ich kaufe lieber neue als vertraute Produkte“ wählten die Männer überwiegend (54,1%) zustimmende Antworten. Zwei Drittel der Frauen (70,5%) entschieden sich für Antworten im Ablehnungsbereich. Ähnlich war die Verteilung bei der Frage, ob ein Fahrzeugkauf über das Internet in Betracht käme. Erneut fiel mehr als die Hälfte der männlichen Antworten (54,3%) positiv aus und knapp zwei Drittel der Frauen (64,7%) entschieden sich gegen eine bejahende Antwort. Alternativ zum Neuwagen kauften die meisten Männer (31,7%) einen Gebrauchtwagen (13,4% Vorführwagen) – die meisten Frauen (43,8%) hingegen einen Vorführwagen (6,3% Gebrauchtwagen). Alle übrigen Fragen wiesen bis auf minimale Gradunterschiede im Bereich der Zustimmung/Ablehnung keine geschlechtlichen Abweichungen auf, so dass die Auswertung der Umfrageergebnisse überwiegend geschlechtsneutral erfolgen konnte.

Ein anderer bemerkenswerter Gruppenunterschied wurde bei der Betrachtung der verschiedenen Fragen zur Zufriedenheit festgestellt: Lagen die Antworten der „Ledigen“ und „Verheirateten“ gleichermaßen im gemäßigt positiven Bereich, zeichneten sich die „Geschiedenen“ durch ihre ausgeprägte Zufriedenheit aus – die „Verwitweten“ hingegen durch ihre signifikante Unzufriedenheit.

Betrachtet man jeweils die Mehrheit der Umfrageantworten, lässt sich folgendes „typisches“ Nutzungsprofil der Teilnehmer beschreiben: Das Elektrofahrzeug wird für private Zwecke als Erstfahrzeug genutzt und mehr als sechsmal pro Woche zwischen 20 und 100 Kilometern (davon am häufigsten bis 50 km) überwiegend im Stadtverkehr gefahren. Alle Fahrzeuge wurden nach 2002 erworben – die überwiegende Mehrheit (86,2%) nach 2012.
Wie intensiv die befragten Fahrer sich mit dem Thema Elektromobilität auseinandersetzen, zeigt sich daran, dass die überwiegende Mehrheit (85%) ihren Wissenstand bezüglich Elektromobilität als „sehr gut“ oder „gut“ einschätzte.

 

Wissensstand Elektromobilität

Wissensstand der Probanden bezüglich Elektromobilität

 

Die Bewertungen in Bezug auf die Dienstleistungen sowie die Vielzahl konkreter Vorschläge und Kritikpunkte, die in den verschiedenen freien Textfeldern genannt wurden, zeigten nachweisliche Verbesserungspotentiale auf. Ein anschauliches Beispiel bietet hierfür ein Vergleich der Nutzermeinung in Bezug auf die Ausgereiftheit der Technik bzw. der Ausgereiftheit der Dienstleistungen: Die technische Ausgereiftheit wurde im Durchschnitt mit der Schulnote 2,63 bewertet. Die Ausgereiftheit der Dienstleistungen wurde hingegen deutlich schlechter mit der Durchschnittsnote 4,21 beurteilt. Auffällig ist zudem, dass die Dienstleistungen von keinem der Teilnehmer die Bestnote („sehr gut“) erhielten – die technische Ausgereiftheit hingegen schon. Auch die Bewertung der Auswahl an Werkstätten suggeriert Optimierungsbedarfe. Hier fiel das Urteil zwar etwas positiver aus, aber eine durchschnittlich vergebene Schulnote von 3,26 beweist ein relevantes Potential für Verbesserungen.

Die Auswertung des umfangreichen Umfragematerials ermöglicht EmoTal eine nutzerzentrierte Verhaltens-, Gebrauchs-, Bedürfnis- und Risikoanalyse, in der mögliche Käuferpräferenzen, Nutzungsprofile, Bedarfe, Mängel, Defekte und Unfälle sowie deren Auftrittswahrscheinlichkeit, Bedeutung und Identifikationswahrscheinlichkeit aufgeführt sind. Die Ergebnisse der Auswertung bestätigten die Relevanz von identifizierten Themenbereichen für die alltägliche Nutzung.

Darüber hinaus konnten durch die Erfahrungen und Anregungen der Nutzer spannende Ansätze für weiterführende Konzepte generiert werden. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im ersten Halbjahr 2016 in einem ersten Zwischenbericht veröffentlicht sowie für weitere Publikationen eingesetzt.

In der Auswertung der EmoTal-Nutzerumfrage wird deutlich, dass die bisher erfolgten Fortschritte von Forschung, Industrie und Regierung im Bereich der Elektromobilität bereits Wirkung zeigen: 95% der Teilnehmer würde sich erneut ein Elektrofahrzeug anschaffen!
Diese hohe Prozentzahl signalisiert, dass die Elektrofahrzeuge zu überzeugen und zu begeistern verstehen. Auch die Tatsachen, dass die meisten der Kfz nach 2012 erworben wurden und die technische Ausgereiftheit positiv bewertet wurde, deuten an, dass die Weiterentwicklungen der Technik bereits einen recht zufriedenstellend Stand erreicht hat. Die im Fragebogen häufig – und oft mehrfach – genannten Kritikpunkte zeigen hingegen die noch bestehenden Verbesserungspotentiale auf, welche insbesondere im weitläufigen Bereich der Dienstleistungen sowie den öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen bestehen. Hier findet sich der entscheidende Ansatz, um begeisternde, attraktive Anreize sowohl für aktuelle Fahrer als auch für neue Zielgruppen zu schaffen. Optimierte und innovative Dienstleistungen sind somit ein essentieller Bestandteil zur steigenden Etablierung von Elektromobilen im (deutschen) Fahralltag. EmoTal wird die anhand der Umfrage identifizierten Ansatzpunkte und Nutzeranregungen aufgreifen, um sie für die Definition supplementärer sowie weiterführender Konzepte und Forschungsvorhaben einzusetzen. So sollen auch langfristig nutzungsstiftende Innovationen und Wertschöpfungsmodelle im Kontext der Nutzerzentriertheit realisiert werden.

Jeder, der sich über die Vorhaben von EmoTal weiter informieren oder darin einbringen möchte, ist eingeladen über unsere Webseite oder direkt via E-Mail Kontakt aufzunehmen und sich an das Team des Projektleiters Dr. Sigmund Schimanski zu wenden.

 

Kontakt

E-Mail: info@emotal.de

Web: www.emotal.de

 

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